Montag, 20. Februar 2017

Christentum weltweit - Einführung und Materialzusammenstellung (aktualisiert)



1. Geschichtlicher Überblick

Jesus von Nazareth als Jude und seine weltweite Bedeutung gehören an den Anfang des Christentums. Glaubensmitte sind in Angrenzung vom Judentum Kreuzigung und Auferstehung Jesu Christi, der durch diese Ereignisse als Heiland der Welt die Erlösung für die Menschheit bringt. Dieser Glaube entwickelte sich zum weltgeschichtlichen Wendepunkt und u.a. zu einer neuen Zeitrechnung (seit dem 4. Jh. n. Chr.). Das Christentum mit allen seinen Ausprägungen ist inzwischen die größte Weltreligion mit heute schätzungsweise 2,3 Milliarden Menschen.

Durch die faktische Sprachgrenze im Römischen Reich (griechischer Osten / lateinischer Westen) und dogmatischen Streitereien (Christologie, Trinität) lebten sich Ost- und Westkirchen auseinander. Neben den Streit um die Festlegung des Ostertermins kam der Konflikt um die Bilderverehrung und Ritenfragen hinzu (vgl. die orthodoxen Ikonostasen).



Östliches Christentum 

Innerhalb des östlichen Christentums entstanden die oströmische Reichskirche (die byzantinische Kirche sowie stärker ethnisch orientierte Kirchen. Die bekanntesten orthodoxen Kirchen sind – verbunden mit den Patriarchaten von Jerusalem, Antiochien (türkisch: Antakya), Alexandrien (koptisch sowie die eigenständige Äthiopische Kirche) bzw. das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel für die griechische Orthodoxie, später das Patriarchat von Moskau für die russische Orthodoxie. Nicht außer Acht gelassen werden dürfen die Balkan-orthodoxen Kirchen. Diese sind stärker ethnisch orientiert, aber auch alle in Deutschland präsent: serbisch, bulgarisch, rumänisch, mazedonisch und albanisch. Die serbisch-orthodoxe Kirche spielte übrigens im Bosnienkrieg (1992–1995) eine teilweise recht zweifelhafte Rolle.
  • Athanasios Baskedis: Die Orthodoxe Kirche. Ein Handreichung für nicht-orthodoxe
    und orthodoxe Christen und Kirchen. Frankfurt/M.: Lembeck  2003, 4. Aufl.,  192 S.
  • Louis Bréhier: Vie et mort de Byzance. Paris: Albin Michel 2006, 632 pp., index
  • Wladimir Iwanow: Russland und das Christentum. Theologie Interkulturell, Bd. 8.
    Frankfurt/M.: IKO  1995, 296 S. 
  • René R. Khawam: L'univers culturel des chrétiens d'Orient. Paris: Cerf 1987, 235 pp., index 
  • Evangelos Konstantinou (Hg.): Byzanz und das Abendland im 10. und 11. Jahrhundert.
    Köln u.a.: Böhlau 1997, 366 S., Register
  • Évelyne Patlagan: Un Moyen Âge grec. Byzance IXe  XVe siècle.
    Paris. Albin Michel 2007, 478 pp., index
  • Festschrift Martin Tamcke: Christsein in der islamischen Welt (2015)
    Rezension in Vorb.
  • Reinhard Thöle (Hg.): Zugänge zur Orthodoxie. Bensheimer Hefte 68.
    Göttingen: V & R 1989, 329 S., Abb. 
Ein Teil der (alt-)orientalischen Kirchen, besonders im Nahen und Mittleren Osten, wurde wegen abweichender Lehrmeinungen aus den orthodoxen Kirchen ausgeschlossen. Dogmatisch geht es hauptsächlich die Stellung Jesu und die Trinität betreffend. Entweder bleiben menschliche und göttliche Natur Jesu unverbunden nebeneinander als zwei Naturen (= Dyophysiten) oder die menschliche Natur wird vollständig in die göttliche integriert (eine Natur =  Monophysiten). Diese Kirchen überlebten bis vor kurzem in den islamisch beherrschten Ländern des Nahen und Mittleren Ostens. Zu ihnen gehören die dyophysitischen Nestorianer (= Assyrische Kirche des Ostens).
Weitere bekannte orientalische Kirchen sind die Syrisch-Orthodoxe Kirche, die Syrisch-Katholische Kirche, die Syrisch-Maronitische Kirche (Maroniten), die Alte Kirche des Ostens und die Chaldäisch-Katholische Kirche. Außerdem gehören die Kopten in Ägypten und Äthiopien sowie die Armenier und Georgier in Kleinasien bzw. in der Kaukasus-Region dazu.
Diese Kirchen spielen durch die Konflikte im Nahen und Mittleren Osten heute auch in Europa eine stärker sichtbare Rolle. Durch die Fluchtbewegungen haben sich auch in Deutschland Migrationsgemeinden gebildet. 

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Westliches Christentum
Das westliche bzw. lateinische Christentum mit Rom als Zentrum bestand in einer einheitlichen Kirche bis zur Reformation im 16. Jahrhundert fort. Die römisch-katholische Kirche wurde und wird von Rom aus durch den Papst und die Weltkonzilien insgesamt hierarchisch geleitet.
Die in der Reformation aufbrechenden Gegensätze innerhalb der lateinisch-katholischen Kirche („Protestanten“) wurden am stärksten theologisch durch Martin Luther, Philipp Melanchthon, Johannes Calvin geprägt.

Weitere ausführliche Informationen:
So entstehen lutherische und reformierte Kirchen, die sich ebenfalls befehden, im britischen Königreich trennen sich die Anglikaner von der katholischen Kirche. Die aus den großen Konfessionsgruppen ausgestoßenen Sondergemeinschaften werden entweder verfolgt oder wandern aus, besonders nach Amerika. Für die weitere Geschichte bleiben scharfe Auseinandersetzungen der unterschiedlich konfessionell geprägten Fürstentümer und Städte vorherrschend, was schließlich zum Dreißigjährigen Krieg führt (1618-1648).
Inzwischen – besonders durch das 2. Vatikanische Konzil (1959-1965) verliert ein Teil der Kontroversthemen zwischen Katholiken, Protestanten und Anglikanern erheblich an Bedeutung – wie Rechtfertigung, Erbsünde, Sakramente, das gilt z.T. sogar für Taufe und Abendmahl/Eucharistie. Kontrovers bleiben Amts- und Kirchenverständnis.
Die Herausforderungen der säkularen Gesellschaften des Westens, die Migrationsbewegungen und die Globalisierung erfordern von den verschiedenen Kirchen ein Umdenken, das inzwischen zu vielen Dialog-Initiativen geführt hat. Allerdings gibt es immer wieder fundamentalistische Tendenzen und Abgrenzungen besonders bei:
  1. Begegnungen des Christentums mit anderen Religionen und Weltanschauungen
  2. Verständnis von Mission unter (post-)kolonialen Bedingungen
    • Theodor Ahrens: Mission nachdenken. Studien. Frankfurt/M.: Lembeck 2002
    • Gerhard Brennecke (Hg.): Weltmission in ökumensicher Zeit. Stuttgart: Ev. Missionsverlag 1961
    • Gustav Warneck: Abriß einer Geschichte der protestantischen Missionen von der Reformation. Mit einem Anhang über die katholischen Missionen. Berlin: M. Warneck 1905
    • Hartmut Beck: Brüder in vielen Völkern. 250 Jahre Mission der Brüdergemeine. Erlangen: verlag der Ev.-Luth. Mission 1981
    • vgl. dazu - Originaltext aus dem 18. Jahrhundert:
      Von der Arbeit der evangelischen Brüder unter den Heiden. Barby 1782
  3. Im Sinne einer religionspluralistischen Sicht kann auch das Christentum die Gleichwertigkeit (nicht Gleichartigkeit) anderer religiöser Traditionen anerkennen: Thesen zur Gleichwertigkeit der Religionen

2. Weitere Informationen und Themenschwerpunkte
3.  Religiöse Lernorte (Beispiele)


Reinhard Kirste
   
Creative Commons
 Relpäd/Christen-Einf /  letzte ausführliche Bearbeitung: 29.04.2016

Sonntag, 19. Februar 2017

Thesen und Texte zum religiösen Pluralismus und zur Gleichwertigkeit der Religionen (aktualisiert)

Begegnung mit anderen Religionen.
Theologische Voraussetzungen: 
  Wahrheit des Glaubens und Offenbarung zum Heil auf unterschiedlichen Wegen
 Thesen von Reinhard Kirste 
Im katholischen Raum fand man viele Jahrhunderte die exklusivistische Position ("außerhalb der Kirche ist kein Heil"), der man die protestantische Variante zuordnen kann: "Außerhalb des Christentums ist kein Heil". Diese wird unter missionarischer Perspektive teilweise immer noch – wenn auch nicht mehr so offenkundig unter post-kolonialen Bedingungen – gepflegt.

Alle inklusivistischen Positionen favorisieren letztlich ein christlich höheres Verständnis gegenüber anderen Glaubensweisen (so z.B. trotz ihrer dialogischen Offenheit Hans Küng und Walter J. Hollenweger). Andere Religionen haben nicht den vollen Zugang zur Heilswahrheit. Karl Rahners Ausspruch von den anonymen Christen in anderen Religionen ist ebenso berühmt wie problematisch. Christologische Engführungen im Sinne der Verbindlichkeit auch für andere Glaubensweisen scheinen das wirkliche Handicap der inklusivistischen Positionen zu sein, wie zurückhaltend sie sich auch immer artikulieren („strenger“ oder „milder“ Inklusivismus. Die Höherwertigkeit des Christentums im Blick auf das Heil bleibt bindend, weil sonst die anderen Christus, sein Kreuz und seine Auferstehung im Sinne einer Heilskonzeption nicht bräuchten.
Der amerikanische Theologe Paul Knitter zeigt in diesem Zusammenhang auf, dass im Inklusivismus, die eigene Religion doch die Beste ist. Er nennt dies darum eine partikularistische Position (zuletzt in einen Vortrag über: Interreligiöser Dialog: Bleibende Differenz oder kreatives Potenzial, Münster 03.02.2014).  

Theologien des religiösen Pluralismus, also religionspluralistische Positionen, versuchen dagegen jeder Glaubensweise ihr Recht zu lassen und sie als eigenständigen Weg zum Heil anzuerkennen. Der bedeutendste Vorreiter dieser Konzeptionen ist der englische Theologe und Religionsphilosoph John Hick (1922-2012). Der Theologe und Religionspädagoge Paul Schwarzenau (1923-2006) hat das so formuliert:
„Alle Religionen bedürfen einander, nicht nur in ihren Gemeinsamkeiten, sondern gerade auch in ihren Unterschieden, durch die sie einander ergänzen. Wir sollen in der eigenen Religion daheim und in der anderen Gäste sein, Gäste, nicht Fremde.“

Der auf diese Weise geführte interreligiöse Dialog will also die Fremdheit abbauen und durch Begegnung Gemeinsamkeiten und Unterschiede durchaus klärend hervorheben, Differenzen aber nicht als Hindernis auf den unterschiedlichen Heilswegen ansehen. Außerdem geschieht Begegnung immer zwischen Menschen. Ihr Verhalten ist dabei oft ein genauerer Anzeiger ihres Glaubens als ihre Theologie oder Philosophie. Je unbeweglicher dogmatische Positionen dabei festgehalten werden, umso gefährdeter ist eine friedvolle Begegnung und ein unvoreingenommenes Religionsgespräch.

Religionspluralistische Positionen sind darum als Foren zu verstehen nicht im Sinne religiöser Beliebigkeit, sondern um Grenzüberschreitungen zu ermöglichen und so gegenseitige Bereicherung zu erfahren. Es soll also bewusst versucht werden, das Bewusstsein von Toleranz und Versöhnung zwischen den Religionen umfassend zu fördern und auf diese Weise auch dem Frieden in der Gesellschaft zu dienen.
Dazu können die folgenden Thesen Orientierung bieten:
  • Dialog kann nur sinnvoll zwischen gleichwertigen Partnerinnen und Partnern geschehen.
    Es geht nicht um Gleichartigkeit, sondern um prinzipielle Gleich-Wertigkeit gerade angesichts unterschiedlicher Glaubensverständnisse und Denkvoraussetzungen.
  • Absolutheitsansprüche einzelner Religionen (wie auch des Christentums) dürfen sich nur auf die Verbindlichkeit des eigenen Glaubens beziehen. Das erlaubt kein noch so verdecktes inklusives Denken, das die anderen religiösen Traditionen in irgendeiner Form als minder-wertig einstuft. Es erlaubt aber auch kein inklusives Vereinnahmen („anonyme“ Christen, Buddhisten, Muslime usw.).
  • Das Missionsverständnis (besonders des christlichen Glaubens) ist im Sinne eines persönlichen Zeugnisses und Engagements zu interpretieren, ohne dabei die anderen zur eigenen Glaubensweise bekehren zu wollen.
  • Die verschiedenen Religionen drücken nicht endgültige Wahrheit aus. Sie sind sprachliche, rituelle und spirituelle Annäherungen an das Transzendente. Ihre Aussagen sind vorläufig und bleiben revisionsbedürftig.
  • Religionen sind eingebunden in vielfältige Kulturen und differierende Denkweisen. Sie sind darum als unterschiedliche Wege zum Heil zu verstehen.
  • In einer globalisierten Welt kann keine Religion mehr für sich leben, sondern nur in Beziehung mit anderen. Interreligiöse Begegnung ist darum Herausforderung und Bereicherung zugleich, m.a.W. die anderen religiösen Anschauungen sind notwendig im Sinne der Komplementarität als des ergänzenden Verstehens durch den Anderen.

Vielfalt und Gleichwertigkeit der Religionen


Eine Mahnung des Aufklärers Denis Diderot:
Von der Philosophie zur Gottlosigkeit ist es eben  so weit
wie von der Religion zum Fanatismus,
aber vom Fanatismus zur Barbarei ist es nur ein Schritt.
                                                                            (aus: Dédicace de l'essai sur le mérite et la vertu, 1745)


relpäd/Relplur-Thesen, zuletzt aktualisiert, 05.12.2016

Donnerstag, 16. Februar 2017

Openreli 2017 - VielFältig - der neue Online-Kurs zum interreligiösen Lernen

Profilbild von openreliIm Rahmen der religionspädagogischen Plattform rpi-virtuell
fanden bereits mehrere Online-Kurse
 für interessierte Lehrer/innen statt:
Der neue Kurs vom 15. Februar bis 05. April 2017

2017: VielFältig
mit den Themenbereichen:
Interreligiöses Lernen, Gebete in den Religionen,
Unterricht in multikulturellen Kontexten


Teilweise ist eine Anmeldung zum Login nötig
(über rpi-virtuell oder Openreli).


Vorlage zur Ideensammlung: Erstellung eines Lernvideos

Material zum interreligiösen Lernen





Mittwoch, 15. Februar 2017

Judentum - Materialzusammenstellung - grundsätzlich, historisch, regional (aktualisiert)

Grundsätzliches - Historisches - Beispielhaftes


Regionale Beispiele und Lernorte
 LISTE JÜDISCHER MUSEEN überwiegend im deutschsprachigen Raum

Sabbat und jüdische Feste

Der Sabbat ist ein Palast in der Zeit  (Abraham Joshua Heschel) 

Planet Wissen: Jüdischer Festkreis
Literaturhinweis:
Ludwig Basnizki: Der Jüdische Kalender. Entstehung und Aufbau.
Frankfurt/M.: Jüdischer Verlag (Suhrkamp) 1998 --- Verlagsbeschreibung

Literaturhinweise  (Rezensionen)


  • DIALOGE: Gershom Scholem, Walter Benjamin, Theodor W. Adorno
    Der liebe Gott wohnt im Detail  top
    Über 30 Jahre verband Theodor W. Adorno und Gershom Scholem eine intellektuelle und freundschaftliche Beziehung. Nun ist der Briefwechsel erschienen, ein eindrucksvolles Dokument deutsch-jüdischer Geistesgeschichte.
    Hier finden Sie einen Link zu einem Film über die Freundschaft von Adorno, Scholem und Benjamin.
    Cover: Cover: Briefe und Briefwechsel Cover: Hannah Arendt / Gershom Scholem Der Briefwechsel Cover: Nachgelassene Schriften. Abteilung IV: Vorlesungen Cover: Sabbatai Zwi