Samstag, 1. April 2017

Christentum weltweit - Einführung und Materialzusammenstellung (aktualisiert)



1. Geschichtlicher Überblick

Jesus von Nazareth als Jude und seine weltweite Bedeutung gehören an den Anfang des Christentums. Glaubensmitte sind in Angrenzung vom Judentum Kreuzigung und Auferstehung Jesu Christi, der durch diese Ereignisse als Heiland der Welt die Erlösung für die Menschheit bringt. Dieser Glaube entwickelte sich zum weltgeschichtlichen Wendepunkt und u.a. zu einer neuen Zeitrechnung (seit dem 4. Jh. n. Chr.). Das Christentum mit allen seinen Ausprägungen ist inzwischen die größte Weltreligion mit heute schätzungsweise 2,3 Milliarden Menschen.

Durch die faktische Sprachgrenze im Römischen Reich (griechischer Osten / lateinischer Westen) und dogmatischen Streitereien (Christologie, Trinität) lebten sich Ost- und Westkirchen auseinander. Neben den Streit um die Festlegung des Ostertermins kam der Konflikt um die Bilderverehrung und Ritenfragen hinzu (vgl. die orthodoxen Ikonostasen).



Östliches Christentum 

Innerhalb des östlichen Christentums entstanden die oströmische Reichskirche (die byzantinische Kirche sowie stärker ethnisch orientierte Kirchen. Die bekanntesten orthodoxen Kirchen sind – verbunden mit den Patriarchaten von Jerusalem, Antiochien (türkisch: Antakya), Alexandrien (koptisch sowie die eigenständige Äthiopische Kirche) bzw. das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel für die griechische Orthodoxie, später das Patriarchat von Moskau für die russische Orthodoxie. Nicht außer Acht gelassen werden dürfen die Balkan-orthodoxen Kirchen. Diese sind stärker ethnisch orientiert, aber auch alle in Deutschland präsent: serbisch, bulgarisch, rumänisch, mazedonisch und albanisch. Die serbisch-orthodoxe Kirche spielte übrigens im Bosnienkrieg (1992–1995) eine teilweise recht zweifelhafte Rolle.
  • Ostkirchliches Institut der Universität Würzburg: 
    Zeitschrift "Das Östliche Christentum"
    und NF / 2016: "Das Christusbild. Zur Herkunft der Entwicklung in Ost und West
  • Athanasios Baskedis: Die Orthodoxe Kirche. Ein Handreichung für nicht-orthodoxe
    und orthodoxe Christen und Kirchen. Frankfurt/M.: Lembeck  2003, 4. Aufl.,  192 S.
  • Louis Bréhier: Vie et mort de Byzance. Paris: Albin Michel 2006, 632 pp., index
  • Wladimir Iwanow: Russland und das Christentum. Theologie Interkulturell, Bd. 8.
    Frankfurt/M.: IKO  1995, 296 S. 
  • René R. Khawam: L'univers culturel des chrétiens d'Orient. Paris: Cerf 1987, 235 pp., index 
  • Evangelos Konstantinou (Hg.): Byzanz und das Abendland im 10. und 11. Jahrhundert.
    Köln u.a.: Böhlau 1997, 366 S., Register
  • Évelyne Patlagan: Un Moyen Âge grec. Byzance IXe  XVe siècle.
    Paris. Albin Michel 2007, 478 pp., index
  • Festschrift Martin Tamcke: Christsein in der islamischen Welt (2015)
    Rezension in Vorb.
  • Reinhard Thöle (Hg.): Zugänge zur Orthodoxie. Bensheimer Hefte 68.
    Göttingen: V & R 1989, 329 S., Abb. 
Ein Teil der (alt-)orientalischen Kirchen, besonders im Nahen und Mittleren Osten, wurde wegen abweichender Lehrmeinungen aus den orthodoxen Kirchen ausgeschlossen. Dogmatisch geht es hauptsächlich die Stellung Jesu und die Trinität betreffend. Entweder bleiben menschliche und göttliche Natur Jesu unverbunden nebeneinander als zwei Naturen (= Dyophysiten) oder die menschliche Natur wird vollständig in die göttliche integriert (eine Natur =  Monophysiten). Diese Kirchen überlebten bis vor kurzem in den islamisch beherrschten Ländern des Nahen und Mittleren Ostens. Zu ihnen gehören die dyophysitischen Nestorianer (= Assyrische Kirche des Ostens).
Weitere bekannte orientalische Kirchen sind die Syrisch-Orthodoxe Kirche, die Syrisch-Katholische Kirche, die Syrisch-Maronitische Kirche (Maroniten), die Alte Kirche des Ostens und die Chaldäisch-Katholische Kirche. Außerdem gehören die Kopten in Ägypten und Äthiopien sowie die Armenier und Georgier in Kleinasien bzw. in der Kaukasus-Region dazu.
Diese Kirchen spielen durch die Konflikte im Nahen und Mittleren Osten heute auch in Europa eine stärker sichtbare Rolle. Durch die Fluchtbewegungen haben sich auch in Deutschland Migrationsgemeinden gebildet. 

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Westliches Christentum
Das westliche bzw. lateinische Christentum mit Rom als Zentrum bestand in einer einheitlichen Kirche bis zur Reformation im 16. Jahrhundert fort. Die römisch-katholische Kirche wurde und wird von Rom aus durch den Papst und die Weltkonzilien insgesamt hierarchisch geleitet.
Die in der Reformation aufbrechenden Gegensätze innerhalb der lateinisch-katholischen Kirche („Protestanten“) wurden am stärksten theologisch durch Martin Luther, Philipp Melanchthon, Johannes Calvin geprägt.

Weitere ausführliche Informationen:
So entstehen lutherische und reformierte Kirchen, die sich ebenfalls befehden, im britischen Königreich trennen sich die Anglikaner von der katholischen Kirche. Die aus den großen Konfessionsgruppen ausgestoßenen Sondergemeinschaften werden entweder verfolgt oder wandern aus, besonders nach Amerika. Für die weitere Geschichte bleiben scharfe Auseinandersetzungen der unterschiedlich konfessionell geprägten Fürstentümer und Städte vorherrschend, was schließlich zum Dreißigjährigen Krieg führt (1618-1648).
Inzwischen – besonders durch das 2. Vatikanische Konzil (1959-1965) verliert ein Teil der Kontroversthemen zwischen Katholiken, Protestanten und Anglikanern erheblich an Bedeutung – wie Rechtfertigung, Erbsünde, Sakramente, das gilt z.T. sogar für Taufe und Abendmahl/Eucharistie. Kontrovers bleiben Amts- und Kirchenverständnis.
Die Herausforderungen der säkularen Gesellschaften des Westens, die Migrationsbewegungen und die Globalisierung erfordern von den verschiedenen Kirchen ein Umdenken, das inzwischen zu vielen Dialog-Initiativen geführt hat. Allerdings gibt es immer wieder fundamentalistische Tendenzen und Abgrenzungen besonders bei:
  1. Begegnungen des Christentums mit anderen Religionen und Weltanschauungen
  2. Verständnis von Mission unter (post-)kolonialen Bedingungen
    • Theodor Ahrens: Mission nachdenken. Studien. Frankfurt/M.: Lembeck 2002
    • Gustav Warneck: Abriß einer Geschichte der protestantischen Missionen von der Reformation. Mit einem Anhang über die katholischen Missionen. Berlin: M. Warneck 1905
    • Hartmut Beck: Brüder in vielen Völkern. 250 Jahre Mission der Brüdergemeine.
      Erlangen: Verlag der Ev.-Luth. Mission 1981
    • vgl. dazu - Originaltext aus dem 18. Jahrhundert:
      Von der Arbeit der evangelischen Brüder unter den Heiden. Barby 1782
  3. Im Sinne einer religionspluralistischen Sicht kann auch das Christentum die Gleichwertigkeit (nicht Gleichartigkeit) anderer religiöser Traditionen anerkennen: Thesen zur Gleichwertigkeit der Religionen

2. Weitere Informationen und Themenschwerpunkte
3.  Religiöse Lernorte (Beispiele)


Reinhard Kirste
   
Creative Commons
 Relpäd/Christen-Einf /  letzte ausführliche Bearbeitung: 29.04.2016

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