Dienstag, 18. August 2015

Mahnung und Drohung: 10 Gebote - 10 Plagen

Die 10 Gebote - die 10 Plagen
St. Georgskirche Dinkelsbühl
In der Volksfrömmigkeit des Spätmittelalters wurden die
10 Gebote
(2. Mose 20,1-17) den

10 ägyptischen Plagen (2. Mose 7,1-11,10) gern einander gegenübergestellt. Übrigens gibt es auch einen Zusammenhang mit den
7 Todsünden.

Der Mönch Johannes Sintram OFM (geb. um 1380 in Würzburg,
gest. 1450 ebda.) bietet dazu ein didaktisches Beispiel:

„Er übergab dem Franziskanerkloster 1444 eine Sammlung von nicht weniger als 61 Handschriften mit Predigtmaterialien, von denen viele, auf eine Reihe deutscher und ausländischer Bibliotheken verteilt, noch heute erhalten sind. Außer deutschen (und lateinischen) Glossen finden sich darin von Sintrams Hand zahlreiche deutsche Predigtverse, ferner eine 1415 erstellte Übersetzung des Hymnus „Gaude virgo maris stella“ sowie das 1405 in 40 schlichten Versen verfaßte Gedicht „Die zehn Gebote und die zehn ägyptischen Plagen“. Darin werden nach dem Vorbild der Schrift „De decem plagis et decem praeceptis“ des Hl. Augustinus aus katechetischen Gründen die Zehn Gebote mit den zehn ägyptischen Plagen verknüpft.
                                          Predigtsammlung, unediert (Würzburg Franziskanerkloster Cod. I 86)

Dies erinnert natürlich auch an den bedeutenden Theologen Nikolaus von Dinkelsbühl, (eigentlich Nicolaus Prüntzlin/ Prunczlein, geb. um 1360 in Dinkelsbühl, gest. 1433 in Wien). Er gehört nicht nur zu den bedeutenden Scholastikern - was beonders für seine Wiener Universitätszeit gilt - sondern er war auch wegen seiner ausgesprochen volksnahen Predigten sehr geschätzt. Gewissermaßen eine optisch umgesetzte Predigt bietet die spätmittelalterliche Bildtafel der 10 Gebote und der 10 ägyptischen Plagen in der St. Georgskirche in Dinkelsbühl. Diese volkstümliche Darstellung befindet sich dort im Chorumgang.


Die 10 Plagen in der biblischen Erzählung
  1. Wasser wird zu Blut (2. Mose 4,9) 
  2. Frösche (2. Mose 8,1-6) 
  3. Stechmücken und anderes Ungeziefer  (2. Mose 8,16-19)
  4. Hundsfliegen bzw. Käfer (2. Mose 8,20-31) 
  5. Viehpest und Viehsterben (2. Mose 9,1-7) 
  6. Schwarze Blattergeschwüre an Menschen und Tieren (2. Mose 9,8-11) (
  7. Schwerer Hagel (2. Mose 9,13-25) 
  8. Heuschrecken (2. Mose 10,1-20)                 
  9. Dreitägige Finsternis (2. Mose 10,21-29) 
  10. Die Tötung der Erstgeburt (2. Mose 11; 12,29-33) 

    Einige Bildtafeln zu den Plagen

    5. Plage: Das große Viehsterben (Viehpest)


    7. Plage: Hagel-Unwetter





    8. Plage: Heuschreckenschärme

























    Einige Bildtafeln zu den Geboten

    1. Gebot:
    "Du sollst keine anderen Götter
    neben mir haben."








    8. Gebot: Du sollst kein falsches Zeugnis reden


    10. Gebot: Du sollst nicht begehren,
    was dem Nächsten gehört.



    Fotos © dank freundlicher Genehmigung
    durch die kath. Pfarrei St. Georg Dinkelsbühl
    Lizenzbedingungen nach Creative Commons: 
                                                                                            Nicht kommerziell - keine Bearbeitung 


    Mittwoch, 5. August 2015

    Mohammed Arkoun - Leben für einen dialogisch-aufgeklärten Islam

    Mohammed Arkoun (Wikipedia, engl.)
    Der international bekannte und anerkannte französische Islamwissenschaftler Mohammed (Mohamed) Arkoun, algerischer Herkunft (geb. 01.02.1928)  starb im Alter von 82 Jahren am 14. September 2010 in Paris.
    Neben dem Literaturwissenschaftler  Nasr Hamid Abu Zaid (1943-2010) den berühmten Orientalisten Louis Massignon (1883-1962) und  Maxime Rodinson (1915-2004) sowie auch Abdelwahab Meddeb (1946-2014) gehörte er zu den Vordenkern eines aufgeklärten Islam  und zu den avantgardistischen Brückenbauern des interreligiösen und interkulturellen Dialogs. 


    Im französisch- und englischsprachigen Bereich war Arkoun ein anerkannter religionsphilosophischer Intellektueller, von vielen auch in der arabischen Welt hoch geschätzt, aber auch eine von Fundamentalisten immer wieder angegriffene islamische Autorität. Ins Deutsche wurden nur wenige von seinen bahnbrechenden Werken übersetzt:
     Französische Titel von Mohammed Arkoun (kleine Auswahl):
    • (avec Maurice Borrmans / Mario Arosio): L'Islam, religion et société.
      Paris: Cerf 1982
    • Pour une critique de la raison islamique. Paris: Maisonneuve & Larose 1984
    • Essais sur la pensée islamique. Paris: Maisonneuve & Larose 1984
    • Ouvertures sur l'islam. Paris: Jacques Grancher 1989
    • Lecture du Coran. Tunis: Alif 1991
    • (avec Joseph Maila): De Manhattan à Bagdad.
      Au-delà du Bien et du Mal. Paris: Desclée de Brouwer 2003
    • Humanisme et islam. Combats et propositions. Paris: Vrin 2005
    • La construction humaine de l'islam. Paris: Albin Michel 2012


    Hamid Nasr Abu Zaid: Wegbereiter einer modernen Koran-Auslegung

    Der Literaturwisenschaftler gund große islamische Reformdenker, der Ägypter Nasr Hamid Abu Zaid (10.07.1943 - 05.07.2010) gehört zu denjenigen, die mit kritisch-exegetischen Analysen die Debatte um ein heutiges Verständnis des Korans international in Bewegung brachten. Konservative seines Heimatlandes erreichten seine Zwangsscheidung (wegen seines “Abfalls” vom Islam). Zusammen mit seiner Frau ging er ins Exil. In den Niederlanden lehrte er am Ibn-Rushd-Lehrstuhl er Universität Utrecht. In der letzten Zeit hatte sich das Verhältnis zu den ägyptischen Autoritäten wieder gebessert, und der damalige Religionsminister Zaqzouq wünschte sogar, dass er wieder nach Ägypten zurückkäme …

    Für ein humanistisches Verständnis des Korans
    (mit ergänzenden Materialien und Nachruf)





    Verleihung des Ibn Rushd-Preises 2005

    Zu den wichtigen Werken, die auch in Deutsch erschienen, gehören u.a.:

    Raimon Panikkar, Grenzgänger und Brückenbauer

    »Ich bin als Christ gegangen,
    ich habe mich als Hindu gefunden,
    und ich
    kehrte als Buddhist zurück,
    ohne doch aufgehört zu haben, ein Christ zu
    sein.«

    So lässt sich mit den eigenen Worten des am 26. August 2010 verstorbenen Raimon Panikkars dessen biografische Wanderung charakterisieren. Der Sohn einer spanischen Mutter und eines indischen Vaters (geb. 03.11.1918) wurde durch den katholisch-hinduistischen Rahmen seines Elternhauses zu einem faszinierendsten Brückenbauer zwischen den Weltreligionen.
    Er hat an vielen Universitäten im Westen wie im Osten gelehrt und der liebevollen Begegnung unterschiedlicher Welten entscheidende Anstöße gegeben
    In ihm vereinten sich indisches Yoga, spanisch-mystische Spiritualität, buddhistische Kontemplation und interkultureller philosophoscher Diskurs auf höchstem Niveau und beeindruckender spiritueller Tiefe. Angesichts einer von Säkularisierung geprägten Welt weist er auf eine Gotteserfahrung über alle konfessionellen und kukturellen Schranken hianus auf eine kosmotheandrische Vision, in der das Göttliche, das Menschliche und der Kosmos miteinanander verbunden sind. Mehr zu seiner Biografie hier (in Bearbeitung)
    Das Werk Panikkars umfasst eine Fülle von philosophisch-theologischen Schriften, die alle durch diesen diesen dialogischen Charakter geprägt sind.

    Eintrag Raimon Panikkars für das INTR°A-Gästebuch
    im Jahr 2000:

    Wenn wir uns als " Akzidens" der Gottheit erfahren
    (d.h. der Gottheit zugehörig), sind wir frei und ohne Angst.

    Die Religionen des nächsten Jahrtausends
    werden mystisch sein
    oder aufhören "Religion" zu sein.


    Rezensionen aus Panikkars Büchern
    mit ergänzenden Informationen: hier


    --- Rezension von Herminio de la Red Vega in "Cultura y Religión", 10.09.2009 von:  PEREZ PRIETO, Victorino:  
    Dios, Hombre, Mundo. La Trinidad en Raimon Panikkar. Barcelona: Herder 2008

    Texte von Raimon Panikkar
                                      (deutsch, englisch, französisch, spanisch)

    Die Interreligiöse Arbeitsstelle INTR°A hat viele Bücher Raimon Panikkars vorgestellt und durfte mehrere Texte von ihm veröffentlichen: