Mittwoch, 29. Juni 2016

Publikationen in Verbindung mit der Interreligiösen Arbeitsstelle (INTR°A ) - auch digital

Lizenzbedingungen nach Creative Commons :  

1.   RELIGIONEN  IM  GESPRÄCH   ( RIG )
 

RIG 1:    Jahrbuch für interreligiöse Begegnung.  Inhaltsangabe
               Hamburg: EB-Verlag 1990

RIG 2:    Engel - Elemente - Energien.  Inhaltsangabe
               Balve: Zimmermann 1992
RIG 3:    Interreligiöser Dialog - zwischen Tradition und Moderne.
              Inhaltsangabe
               Balve: Zimmermann 1994
RIG 4:    Wertewandel und religiöse Umbrüche.  Inhaltsangabe
               Balve: Zimmermann 1996
RIG 5:    Die dialogische Kraft des Mystischen.  Inhaltsangabe
               Balve: Zimmermann 1998
RIG 6:    Hoffnungszeichen globaler Gemeinschaft.  Inhaltsangabe
               Balve: Zimmermann 2000
RIG 7:    Neue Herausforderungen für den interreligiösen Dialog. 
               Inhaltsangabe
               Balve: Zimmermann 2002
RIG 8:    Wegmarken der Transzendenz.
               Interreligiöse Aspekte des Pilgerns.  Inhaltsangabe
               Balve: Zimmermann 2004
RIG 9:    Europa im Orient  -  Der Orient in Europa.  Inhaltsangabe
               Balve: Zimmermann 2006


Eine Auswahl von Texten aus RIG 1 (1990) bis RIG 9 (2006): h i e r


2.   Tagungsdokumente   

Übersichten seit 1990 und Materialien seit 2008



3.   Bücher von John Hick und Míkel de Epalza

  • John Hick:  Gott und seine vielen Namen
    (Printausgabe 2000, 2. Aufl. 2002)
    - Neuausgabe 2012 als PDF-Datei
    - Inhaltsverzeichnis  h i e r
    - Weitere Informationen und Downloads
       zu John Hick und seinem Werk: h i e r
  • Míkel de Epalza:  Jesus zwischen Juden, Christen und Muslimen
       (Neuauflage 2012 - und frühere Materialien ): hier
       Weiteres zu Míkel de Epalza: hier

4.   ISERLOHNER  CON-TEXTE (ICT)

            Inhaltsübersicht  ( ausführliche Inhaltsverzeichnisse ab ICT 9 )

 

  • ICT 1:    Tschernobyl - Ohne Folgen für die Schule?   (1986, vergriffen)
  • ICT 2:    Über den Umgang mit Weihnachten in Unterricht 
  •               und Schulgottesdienst (Sek. I) 
  •              (1986, mehrfache Nachdrucke)
  • ICT 3:    Meditation und Schule  (1987, ersetzt durch ICT 15)
  • ICT 4:    Gemeinsam vor Gott - Weltreligionen im Gespräch (1987)
  • ICT 5:    Spiritualität und Friedenspädagogik  
  •               (1988, mehrfache Nachdrucke)
  • ICT 6:    Jüdische Quellen zur Geschichte der Gemeinden 
  •                im Raum Iserlohn  (1989)
  • ICT 7:    Gottesdienste aus der Schulpraxis 
  •               (1994, mehrfache Nachdrucke)
  • ICT 8:    Ansätze zu einer christlichen Theologie der Religionen. 
  •               (1989, vergriffen)
  • ICT 9:    Okkultismus und esoterische Spiritualität  
  •               (1991, mehrfache Nachdrucke)
  • ICT 10:  Heilige Plätze - Heilende Plätze
  •              Über den Zusammenhang von Religion und Gesundheit
  •              (1991, mehrfache Nachdrucke)
  • ICT 11:  Die Dunkelseite Gottes  (1991, mehrfache Nachdrucke)
  • ICT 12:  Leben nach dem Tode  (1993, Nachdruck 2001)
  •              Gesamt-Text als NEUBEARBEITUNG. Download  als PDF-Datei
  • ICT 13:  Interreligiöse Schule - ein Vorbild aus den Niederlanden  (1995)
  • ICT 14:  Orientierung in einer sich ändernden Welt
  •              Erweitert erschienen als RIG 4 (1996)
  •              in Zusammenarbeit mit Ev.Akademie Iserlohn  (1995)
  • ICT 15: Auf dem Weg zur Achtsamkeit.
  •              Meditative Elemente und Übungen  (1999, Nachdruck 2003)
  •              Download  als PDF-Datei
  • ICT 16: Kinder, die dem Holocaust entkamen. Eine Arbeitshilfe
  •              In Verbindung mit der Universität Essen, 
  •              Fachbereich Ev. Theologie
  •              und den "brauschweiger beiträgen (bb)"  (2000)
  • ICT 17: Die 7 Todsünden.
  •              Mittelalterlicher Lebensstil und aktuelle Wertediskussion (2001)
  •              Inhaltverzeichnis und Auswahl von Texten
  •              Download  als PDF-Datei
  • ICT 18: Gespiegelte Wahrheit.
  •              Biblische Geschichten und Kontexte der Religionen (2003)
  •            Download  als PDF-Datei

5.   INTERRELIGIÖSE HORIZONTE   (IH)

Im Auftrag des Interdisziplinären Instituts für Religionsgeschichte (IIRG)
in Bad Münstereifel und Köln und der Interreligiösen Arbeitsstelle (INTR°A)
in Nachrodt/Westfalen im Boehlau-Verlag Köln

Reihen-Herausgeber:
Dr. Reinhard Kirste (Nachrodt), Prof. Dr. Michael Klöcker (Köln),
Prof. Dr. Paul Schwarzenau (Dortmund), Prof. Dr. Udo Tworuschka (Bad Münstereifel)
           Inhaltsübersicht  (PDF-Dokument)

IH 1:     Vision 2001: Die größere Ökumene  (1999)
IH 2:     Religion - Religionen - Religionswissenschaft.
           Festschrift für Theodor Lohmann (Jena) zum 70. Geburtstag  (1998)
IH 3:     Paul Schwarzenau: Welt-Theologie
           Gesammelte Aufsätze  (1998)
IH 4:     "Alle Wasser fließen ins Meer..." 
            Die grenzüberschreitende Kraft der Religionen
            Festschrift für Paul Schwarzenau (Dortmund)
            zum 75. Geburtstag  (1998)
IH 5:     Paul Schwarzenau: Ein Gott in allem.
           Aufsätze zum Gottesbild der Religionen  (1999)

6.  Publikationen von INTR°A-Mitgliedern seit Sommer 2010


--- Liste seit Sommer 2010 mit Updates
 


Anfragen - E-Mail:  interrel@t-online.de

 

Sonntag, 26. Juni 2016

Die weibliche Seite des Sufismus: Das Beispiel der Rabi’a von Basra (ca. 717 – 801)

Rabi'a von Basra - persische Miniatur (wikipedia)

Rābiʿa al-ʿAdawiyya al-Qaysiyya lebte in Basra  – im Süden des heutigen Irak.
Sie erwarb sich bald den Ruf einer ungewöhnlich Glaubenden. Zur damaligen Zeit gab es bereits ein Schule weiblicher Asketen, von der sie wahrscheinlich beeinflusst wurde. Sie selbst lebte offensichtlich in einem Kreis islamischer Mystikerinnen, die in ihrer Spiritualität die Gottesliebe zum Thema machten. Überhaupt war Basra schon länger ein Ort sufischer Frömmigkeit.
Berühmt waren die „Gottesfreunde“ und besonders al-Hasan al-Basrī. Rābiʿa hat ihn wohl nie getroffen, aber in den Legenden treten die beiden oft gemeinsam auf. Die großen spirituellen Wirkungen zeigen sich auch weiterhin, wie an den  „Lauteren Brüder“ von Basra aus dem 10. Jahrhundert zu sehen ist.
„Die Lauteren Brüder von Basra  unternahmen im Zweistromland bereits im 10. Jahrhundert, was die europäischen Enzyklopädisten erst im 18. Jahrhundert angingen, nämlich das Unterfangen, eine Sammlung des universalen Wissens herauszugeben. Dabei entstanden 51 Episteln, die bei den Treffen der Bruderschaft auch zu Zwecken der Unterweisung verwendet wurden. Von Obrigkeit und Orthodoxie misstrauisch beäugt, erlitten die Lauteren Brüder immer wieder Zeiten der Verfolgung. Im 19. Jahrhundert veröffentlichte Friedrich Dieterici seine deutsche Übersetzung von 40 der Episteln, ohne jedoch diejenigen mit vornehmlich mystisch-spirituellen Inhalten zu berücksichtigen. 1995 erschienen fünf davon (43-47) in der englischen Übersetzung von Eric van Reijn.: The Epistles oft he Sincere Brethren. Annoted Translation of Epistles 43 to 47. London: Minerva 1995. Deutsch liegt bisher nur die Epistel 45 vor: Von der Freundschaft.
Aus der Verlagsankündigung zu Eric von Rijn (Hg.): Die Lauteren Brüder von Basra
- Von der Freundschaft (Epistel 45).
München: Books Ex Oriente  2011, 52 S.

               Annemarie Schimmel beschreibt sehr eindrücklich
das Wirken der Rabi’a von Basra:

„Die Asketen aber suchten das Reich der Seele und des Herzens zu erobern. Eine entscheidende Rolle fiel dabei einer Frau zu. Der Name der Rabi’a al-Adawiyya oder Rabi’a von Basra (nach ihrer Heimatstadt) steht am Anfang der eigentlichen Mystik im Islam; sie war es, der die Verwandlung düsteren Asketentums in echte Liebesmystik zugeschrieben wird. Jedermann kennt die Geschichte, wie die fromme Asketin durch Basra lief, einen Eimer Wasser in der einen, eine brennende Fackel in der anderen Hand, und als sie nach dem Sinn ihres Vorhabens gefragt wurde, antwortete sie:
Ich will Wasser in die Hölle gießen und Feuer ans Paradies legen, damit diese beiden Schleier verschwinden und die Menschen Gott nicht aus Furcht vor der Hölle oder aus Hoffnung aufs Paradies anbeten, sondern allein um seiner urewigen Schönheit willen.
Diese oft wiederholte Legende hat ihren Weg auch in die christliche Welt gefunden. Sie wurde durch Joinville, den Vertreter Ludwigs IX., ins Abendland gebracht und wurde von dem Quietisten Camus in seinem 1640 erschienenen Buch „Carité ou la Vraie Charitée“ wiedererzählt; die Illustration zu seinem Werk zeigt eine orientalisch gekleidete Frau mit Fackel und Eimer, über deren Haupt eine Sonne mit der hebräischen Inschrift YHWH strahlt, so den morgenländischen (nicht aber den islamischen) Ursprung der Geschichte andeutend. Danach taucht sie auch in den verschiedensten Varianten in der europäischen Literatur auf.
Es gibt zahllose Anekdoten, die sich um Rabi’a, die freigelassene Sklavin aus Basra, ranken. Basra war nämlich in der Frühzeit die Heimat vieler Asketen; der gelehrte und fromme Prediger Hasan al-Basri (gest. 728) wird in Legenden oft mit Rabi’a verbunden. Die großen Hagiographen der islamischen Welt haben ihr lange Abschnitte gewidmet; sie war in menschlicher Vollkommenheit „deutlich vielen Männern überlegen, weshalb sie auch die ‘Krone der Männer’ genannt wurde“ wie Muhammad Zihni in seinem Werk über berühmte Frauen (maschahir an-nisa) schreibt. Und bis heute kann eine fromme oder anderweits ausgezeichnete Frau als „zweite Rabi’a“ bezeichnet werden.
Ungezählte Wunder werden ihr zugeschrieben: ihre Fingerspitzen leuchteten nachts wie Lampen, und die Kaaba kam ihr entgegen, als sie die Pilgerfahrt unternahm (was einen anderen Sufi verständlicherweise ärgerte). Sie lehnte alle irdischen Bindungen, wie Ehe, ab und schwebte auf ihrem Gebetsteppich durch die Luft. An einem schönen Frühlingstag blieb sie in ihrem Kämmerlein und, von der Dienerin gemahnt, doch Gottes herrliche Schöpfung in den Gärten zu bewundern, meinte sie, die Schönheit Gottes sei im Innern, während die äussere Schönheit nur eine Widerspiegelung der inneren Schönheit sei - eine Geschichte, die Rumi auf einen ungenannten Asketen übertrug und im Mathnawi (M IV 1518f) verwendete. Und wenn Attar in seinen Ilahinama (XXII) vom Lichte Gottes spricht, schreibt er: Wenn es eine Weile auf ein altes Weib schiene, würde es sie zu einer der Grossen, wie Rabi’a, machen ...
Attar berichtet im gleichen Epos (XV) aber auch von ihrer Armut und von ihren Heimsuchungen:
Man sagt, dass Rabi’a, die Heilige,
für eine Woche nichts zu essen fand.
In dieser Woche setzte sie sich niemals,
ihr ganzes Werk war Fasten und Gebet.
Als dann der Hunger ihre Füße schwächte
und alle Glieder fast zerbrechen ließ,
kam zu ihr eine fromme Nachbarsfrau
und brachte eine Schüssel Speise mit.
Nun ging sie hin in ihrem Schmerz und Kummer,
um eine Lampe in den Raum zu holen.
Sie kam zurück - da hatte eine Katze
die Schüssel auf den Boden hingeworfen.
Da ging sie wieder einen Krug zu holen,
um mit dem Trank ihr Fasten nun zu brechen.
Diesmal fiel ihr der Krug gleich aus der Hand -
so blieb sie durstig; denn der Krug zerbrach.
Da stieß ein Ach sie aus, so Herz verbrennend,
als ob’s die ganze Welt verbrennen könnte,
und hundertfach verwirrt rief sie: „Mein Gott,
was willst du noch von diesem armen Weib?
Du hast mich in Verwirrung tief gestürzt,
wie lange noch lässt du im Blut mich wälzen?“
Da kam die Antwort: „Wenn dir das gefällt,
schenk Ich sofort dir diese Welt.
Den Gram jedoch, den du so lange Zeit
getragen hast, entfern’ ich von dir weit:
Weltliebe ist für mich der Sehnsuchtsschmerz:
die passen nicht zusammen in ein Herz.
Willst liebend meinen Kummer du umfassen,
so musst du ständig diese Welt verlassen.
Hast du das eine, ist das andre fern.
Nicht ist umsonst der Liebesgram des Herrn.“
Aus: Schimmel, Annemarie: Meine Seele ist eine Frau. Das Weibliche im Islam.
München: Kösel 1995, S. 31-34

Martin Buber berichtet in seinen "Ekstatischen Konfessionen" diese Geschichte:

„Einst wallfahrte Rabi’a nach Mekka. Als sie die Kaaba erblickte, zu deren Verehrung sie gekommen war, sprach sie: „Ich bedarf des Herrn der Kaaba, was taugt mir die Kaaba? Ich bin so nahe an ihn herangekommen, dass sein Wort: ‘Wer mir eine Spanne naht, dem nahe ich eine Elle’ von mir gilt, - was soll mir noch die Kaaba?“
Von Hassan Basri ermahnt, eine Ehe einzugehen, sprach sie: „Mein Wesen ist längst schon ehelich gebunden. Deswegen sage ich, dass mein Sein in mir erloschen, in ihm (Gott) aufgelebt ist. Und seit jener Zeit lebe ich in seiner Gewalt, ja ganz bin ich er. Wer mich zur Braut verlangt, verlange mich nicht von mir, sondern von ihm“. Hassan fragte sie, wie sie sich zu dieser Stufe erhoben hätte. Sie sprach: „Dadurch, dass ich alles, was ich gefunden hatte, in ihm verlor“. Als jener weiter fragte: „Auf welche Weise hast du ihn erkannt?“ antwortete sie: „O Hassan! Du erkennst auf eine bestimmte Art und Weise, ich aber ohne Weise“.
Sie sprach: „Eine innere Wunde meines Herzens verzehrt mich, die durch die Vereinigung mit meinem Freunde geheilt werden kann. Ich werde krank bleiben, bis ich am jüngsten Tage mein Ziel erreiche“.
Aus: Ekstatische Konfessionen. Gesammelt von Martin Buber. Darmstadt: WB (Lizenz) 1985, S. 10f
Vgl.:  Iserlohner Con-Texte  Nr. 15 (ICT 15): Auf dem Weg zur Achtsamkeit. 2009, S. 79–80

Islamische Mystikerinnen in Vergangenheit und Gegenwart
(Literatur in Auswahl) 

Buchcover Albin Michel (s.u.)
mit einer indischen Miniatur:
Mongolische Schule um 1725,
Hyderabad, Salarjung-Museum.
Textband im Bild:
Mein Sehr-Geliebter, das ist Gott.
Er ist das Merkzeichen!
  • Mehr zu Rābiʿa al-'Adawiyyaal-Qaysiyya bei wikipedia
  • AMRI, Nelly et Laroussi: Les femmes soufies ou la passion de Dieu.
    St-Jean-de-Braye 1992, 269 pp., glossaire, index
  • AMRI, Nelly: La Sainte de Tunis: Présentation de l’hagiographie de ‘Aisha al-Mannûbiyya.
    Arles (F): Sindbad / Actes Sud (Sindbad)
    2008, 297 pp. ill.
  • DELORME, Catherine: Le Chemin de Dieu.
    Paris: Albin Michel 1979, 315 pp-
  • DHINA, Amar: Femmes illustres en Islam.
    Alger: ENAL 1991, 138 pp..
  • Cahill, Susann (Hg.): Wise women. Over two thousand years of spiritual writing by women. New York/ London: W.W. Norton 1996, p 55-57 (Rabi’a)
  • SMITH, Margaret. Muslim Women Mystics. The Life and Work of Rabi’a and Other Women Mystics in Islam.
    Oxford (UK): OneWorld 2001, 2. Aufl., 250 S., Index
  • STÉTIÉ, Salah: Râbi’a de Feu et de Larmes. Spiritualités vivantes.
    Paris: Albin Michel 2015, 135 pp.

Reinhard Kirste

Relpäd/Rabia, 26.06.2016

Freitag, 10. Juni 2016

Annemarie Schimmel - mit dem Orient vertraut werden (aktualisiert)

Annemarie Schimmel
(geb. 1922 in Erfurt, gest. 2003 in Bonn)
war eindeutig die bedeutendste deutschsprachige Islamwissen-schaftlerin und Orientalistin des 20. Jahrhunderts. Aus ihren Forschungen ewuchs eine immense Literatur, die in viele Sprachen übersetzt wurde. Sie selbst sprach fließend die Sprachen großer Weltkulturen.
Sie lehrte bereits als junge Professorin an der Universität Ankara, später viele Jahre an der Harvard-Universität in Cambridge (USA) und schließlich auch an der Universität Bonn. In Pakistan und Ägypten erhielt sie höchste staatlichen Auszeichnungen.
Ihre besondere Wertschätzung und Forschungsarbeit im Zusammenhang des Orientalisten Friedrich Rückert (1788-1866) würdigte die Stadt Schweinfurt bereits 1965 mit dem Friedrich-Rückert-Preis.
Vgl. ihr Buch:
Friedrich Rückert. Lebensbild und Einführung in sein Werk. Freiburg: Herder TB 1371, 1987

Immer wieder wurde ihr Engagement für die Versöhnung zwischen Orient - Okzident und den islamischen mit den christlichen Kulturen gewürdigt.
1995 erhielt sie darum den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. In diesem Zusammenhang wurde sie teilweise in der Öffentlichkeit wegen ihrer Fernseh-Äußerungen  zu den iranischen Morddrohungen gegen den Dichter Salman Rudshdie heftig kritisiert.

Ihr internationales wissenschaftliches Renommee bleibt jedoch unbestritten! 


Texte von Annemarie Schimmel
Buchrezensionen zu Titeln
von Annemarie Schimmel (kleine Auswahl):
  • Dein Wille geschehe (1992/2004) 
  • Weitere Titel - Sammelbesprechung aus RIG 5/1998, S. 618-621: hier
    --- Wie universal ist die Mystik (2007)
    --- Jesus und Maria in der islamischen Mystik (1996)
    --- Die schönsten Gedichte aus Pakistan und Indien. Islamische Lyrik aus tausend Jahren 1996
    --- Die drei Versprechen des Sperlings. Die schönsten Tierlegenden aus der islamischen Welt (1997)
  • Buchbesprechungen auch bei "Perlentaucher"  

    Annemarie Schimmel und die islamische Mystik
    Kommentierte Buchauswahl

    Aus: Paul Schwarzenau / Reinhard Kirste (Hg.):
    Auf dem Weg zur Achtsamkeit.
    Iserlohner Con-Texte 15 (ICT 15), PDF-Ausgabe 2009; S. 82–86
    Annemarie Schimmel hat sich zum Verstehen islamischer Mystik für Europäer große Verdienste erworben. Als Wissenschaftlerin fühlt sie sich dabei durchaus der deutschen Orientalistik seit dem 19. Jahrhundert verpflichtet. Das zeigt besonders gut  darin, dass sie Friedrich Rückert (1788-1866)und damit auch seine Koranübersetzung dem Quasi-Vergessen entrissen hat.
    --- Friedrich Rückert. Lebensbild und Einführung in sein Werk. Freiburg u.a.: Herder TB 1371, 1987 
    --- Der Koran. In der Übersetzung von Friedrich Rückert (1787).
          Hg. Hartmut Bobzin
    mit erklärenden Anmerkungen von Wolfdietrich Fischer.
            Würzburg: Ergon 1995, 573 S.

    Die Fülle der Publikationen Annemarie Schimmels in Deutsch, Englisch und Französisch sowie in Arabisch, Persisch (Farsi), Urdu und anderen Regionalsprachen ist faktisch nicht mehr zu übersehen. Sie gehört trotz ihrer großen internationalen Reputation auch dem Wissenschaftlichen Beirat der kleinen Interreligiösen Arbeitsstelle (INTR°A) an. In der dortigen Bibliothek finden sich eine erhebliche Zahl ihrer Bücher und Aufsätze. Die international berühmte und mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnete Orientalistin und Religionswissenschaftlerin (geb. 1922 in Erfurt) hatte einen Lehrstuhl für Indo-Muslimische Kultur an der Harvard-Universität in Cambridge/Mass. Sie lehrte 1954-1959 an der Universität Ankara und 1961-1967 an der Universität Bonn. Sie ist eine der besten Kennerinnen islamischer Mystik überhaupt und hat eine Fülle von Literatur über islamische Kultur und Religion veröffentlicht. Das kommt auch in der Festschrift zum Ausdruck, die ihr Schüler und Freunde zum 70. Geburtstag vorlegten: 
    --- Giese, Alma/ Bürgel, J. Christoph (Hg.): 
    Gott ist schön und Er liebt die Schönheit. God is beautiful and He loves beauty. Festschrift für Annemarie Schimmel zum 7. April 1992, dargebracht von Schülern, Freunden und Kollegen. Bern u.a.: P. Lang 1994, 474 S.
    Die angezeigten Bücher sind teilweise zu Standardwerken geworden. Das gilt besonders über ihre Bücher zur Mystik und hier wiederum des Sufitums im indopakistanischen Raum. 
    Mystische Dimensionen des Islam. Die Geschichte des Sufismus.
    Köln: Diederichs 1985, 734 S., Indices
     
    --- Der Islam III.
    Islamische Kultur - zeitgenössische Strömungen - Volksfrömmigkeit
    .
    Stuttgart: Kohlhammer 1990
    In diesem kaum noch zu überbietenden Standardwerk zeichnet sie nicht nur die Vielfalt mystischer Strömungen im Islam nach, sie zeigt nicht nur eine Fülle von Querverbindungen zu anderen Kulturkreisen auf (z.B. zu Persien und Indien/Pakistan), sondern ermöglicht dem Leser/der Leserin  auch, die verschiedenen Facetten mystischen Lebens zu verstehen und ihre Notwendigkeit für die Religion zu begreifen.
    Gewissermaßen als einen Vorläufer des genannten Buches könnte man ihre Mitarbeit im dreibändigen Islam-Werk des Kohlhammer-Verlages ansehen, wo sie den letzten Band bearbeitet und redigiert hat:
    Gewissermaßen als eine konkrete Auswahl und ausführlichere Beispielsammlung zu dem eben erwähnten großen Werk lässt sich ihre Zusammenstellung aus der Fülle sufischer Spiritualität verstehen, die schon länger auf dem Markt ist: 
    --- Gärten der Erkenntnis. Texte aus der islamischen Mystik. Köln: Diederichs (DG 37), 1982, 282 S.,
    Neuausgabe 1995, 4. Aufl. mit dem Untertitel: Das Buch der vierzig Sufimeister. 

    Der Leser/die Leserin erhält mehr als eine Hinführung, es liegt auch mehr als nur eine Textauswahl vor. Zwischen Nil und Indus erkennt man Zugänge zu einer Geisteshaltung, die dort über Jahrhunderte intensiv gepflegt wurde und durchaus als Alternative zum westlich-technischen Denken gesehen werden kann.
    Zur leichteren Einarbeitung ist jedem Textbereich eine biografische Einleitung des betreffenden Mystikers vorangestellt. Noch ein unentbehrliches Buch!
    Hierher gehören ähnlich aufgebaute Bücher, die gern wieder aufgelegt werden: 
    --- Gesang und Ekstase. Sufi-Texte des indischen Islam.
    Ausgewählt, übersetzt und eingeleitet von A.S. München: Kösel 1999, 176 S.
    (ergänzt durch einzelne Kalligraphien, wie in „Liebe zu dem Einen“)
    Hier handelt es sich um die faktisch unveränderte Neuauflage des 1986 bei Benziger in Zürich erschienenen Buches:
     
    --- Liebe zu dem Einen. Texte aus der mystischen Tradition des indischen Islam. Ausgewählt aus dem Persischen, Arabischen, Urdu und Sindhi, übersetzt und eingeleitet von A.S. Zürich u.a.: Benziger 1986, 173 S. (mit Kalligraphien)
    Hierher müsste man auch ihre Arbeiten rechnen, die den indisch-pakistanischen Raum zum Mittelpunkt haben, sowohl was ihre grundsätzliche Forschungsarbeit als auch was die jeweilige Textauswahl betrifft: 
    --- (Hg.): Märchen aus Pakistan. Aus dem Sindhi.
        München: Diederichs 1995, 2. Aufl., 287 S.
     
    --- (Hg.): Nimm eine Rose und nenne sie Lieder.
        Poesie der islamischen Völker.
    Köln: Diederichs 1987, 350 S. 
    --- (Hg.): Weisheit des Islam.
        Ausgewählt und übersetzt.
    Stuttgart: Reclam 1994, 301 S.
    So kommt es auch, dass in vielen ihrer sprachlich so ansprechenden Textausgaben der indische Sprachraum überwiegt. Das gilt auch für die Textausgaben, die diesen auf den ersten Blick nicht besonders ausweisen, z.B. in: 
    --- Die drei Versprechen des Sperlings. Die schönsten Tierlegenden
        aus der islamischen Welt.
    München: Beck 1997, 334 S. 
    --- Die orientalische Katze. Mystik und Poesie des Orients.
            Freiburg: Herder TB 4033, 1991, 151 S. (inzwischen neu aufgelegt).
    Wer Annemarie Schimmel liest, kommt gewissermaßen in konzentrischen Kreisen, in den geografischen, für den ihr Herz schlägt: Südasien mit Indien/Pakistan. In Pakistan wurde sie auch mit dem höchsten Zivilorden „Stern von Pakistan“ ausgezeichnet. 
    ---  Der Islam im indischen Subkontinent.
             Darmstadt: Wiss. Buchgesellschaft 1983
     
    ---  Berge, Wüsten, Heiligtümer. Meine Reisen in Pakistan und Indien.
             München: Beck 1994, 287 S.
     
    --- Muhammad Iqbal. Prophetischer Poet und Philosoph.
            München: Diederichs (DG 82), 1989, 239 S.
     
    --- Wie universal ist die Mystik?
         Die Seelenreise zu den großen Religionen der Welt.

         Freiburg u.a.: Herder Spektrum 4484, 1996, 127 S., Register
    Die Liebe zu Mystik und Spiritualität: Auch wenn Annemarie Schimmel sich nicht als Mystikerin bezeichnet und auch keine sein will, ist sie den intensiven Frömmigkeitsrichtungen des Islam doch auf erstaunliche Weise nahe gekommen. Das drücken neben den genannten m.E. besonders folgende Titel aus: 
    --- Gewänder Gottes. Hg. Siegfried Raeder (Lucas-Preis 1992).
          T
    übingen: Mohr 1993, 60 S.
     
    --- Jesus und Maria in der islamischen Mystik. München: Kösel 1996, 192 S. 
    --- Meine Seele ist eine Frau.
            Das Weibliche im Islam.
    München: Kösel 1995, 208 S. 
    --- Dein Wille geschehe.
                Die schönsten islamischen Gebete.
    Bonndorf: Turban 1992, 91 S. 
    --- Deciphering the signs of God.
        A phenomenological approach to Islam.
    Edinburgh University Press 1994, 302 S.  
     --- Und Mohammed ist Sein Prophet.
         Die Verehrung des Propheten in der islamischen Frömmigkeit.

         DG 32. München: Diederichs 1989, 2. Aufl., 280 S.
    Natürlich verwundert es nicht dass Annemarie Schimmel ihre wissenschaftliche Referenz, Kompetenz und Arbeitskraft auch dem erwiesen hat, der als einer der größten Mystiker der Welt (nicht nur im Islam) gilt: Djalal ad-Din Rumi (1207-1273): 
    --- (Hg.): Rumi - Ich bin Wind und du bist Feuer.
                  Köln: Diederichs 1978, 1986, 5. Aufl.
     
    --- The Triumphal Sun. A Study of the Works of Jalaladdin Rumi.
         State University of New York Press 1993, 513 S.
     
    --- (Hg.): Rumi. Von Allem und vom Einen (Fihi ma fihi).
    Aus dem Persischen und Arabischen.
    Kalligraphische Gestaltung Shams Anwari-Alhosseyni. DG 121.
    Neuausgabe München: Diederichs 1995, 382 S.
     
    --- (Hg.): Rumi: Sieh! Das ist Liebe. Gedichte.
    Aus dem Persischen übertragen von A.S.
    Mit Illustrationen von Ingrid Schaar.
    Basel: Sphinx 1993, 107 S.
    In unmittelbare Nähe gehört die Einbindung menschlicher Erfahrung ins Tierreich, wie sie die Vogelgespräche Attars (gest. 1121) poetisch widerspiegeln: 
    --- (Hg.) Attar: Vogelgespräche und andere klassische Texte.
         Vorgestellt von
    A.S. München: C.H. Beck 1999, 357 S.
    Zwei Schwerpunkte islamischen Denkens und künstlerischen „Könnens“ sind die scheinbar nicht unmittelbar zusammengehörenden Bereiche der Zahlensymbolik und Kalligraphie. Dass es hier erhebliche Querver­bindungen gibt, zeigen die folgenden beiden Bücher: 
    --- The mystery of numbers.
        New York u.a.: Oxford University Press 1993, 314 S. 

        Deutsche Ausgabe: Schimmel, Annemarie / Endres, Franz Carl:
        Das Mysterium der Zahl.  Zahlensymbolik im Kulturvergleich. 

         DG 52. Köln: Diederichs 1984, 284 S.

    --- Calligraphy and Islamic Culture. London: Tauris 1990, 264 S.
    Der Umgang mit Namen hat ebenfalls mit Symbolik und den Namens-“Einzeichnungen“ in das jeweilige Lebensskript eines Menschen zu tun: 
    --- Islamic Names. Edinburgh: University Press 1989, 137 S. 
    --- Herr „Demirel“ heißt einfach „Schmidt“.
        Türkische Namen und ihre Bedeutung.
    Köln Önel 1992, 100 S.
    Wer aber meint, Annemarie Schimmel würde die gesellschaftlichen Zusammenhänge im Islam ausblenden irrt. Das spürt man schon ihren in den Islam einführenden Büchern ab, aber noch mehr, wenn sie Reisen zu den „Quellen“ unternimmt. Natürlich gehört auch ihre Rede anlässlich der Überreichung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels 1995 dazu. 
    --- Schimmel, Annemarie u.a.: 
            Friedenspreis des deutschen Buchhandels 1995.
            Ansprachen aus Anlass der Verleihung.
     
            Frankfurt/M.: Börsenverein 1995, 60 S. (mit Bibliografie A.S.) 
    --- Die Welt des Islam. Zu den Quellen des muslimischen Orients. 
        Eine Reise nach innen. Solothurn/ Düsseldorf: Walter 1995, 169 S., zahlr. Abb. 
    --- Der Islam. Eine Einführung. Stuttgart: Reclam TB 8639, 1990, 159 S.
    --- Islam. An Introduction.
    Albany: State University of New York Press 1992, 166 S.
    Eine nicht zu vernachlässigenden Bereich des Islam bildet die Türkei, in der Annemarie Schimmel immerhin mehrere Jahre lebte. Auf die türkischen Namen wurde oben schon hingewiesen. Die Bedeutung der Türkei für den Islam, gerade auch für den Sufismus zeigen besonders drei Bücher, die in recht kleinen Verlagen erschienen sind: 
    --- Bruder Ismail. Erinnerungen an die Türkei.
         Köln: Önel 1990, 168 S., Abb., Glossar

    --- Wanderungen mit Yunus Emre
        (mit Zeichnungen v. Ingrid Schaar
    ). Köln: Önel 1989, 89 S. 
    --- Aus dem goldenen Becher. 
        Türkische Gedichte aus sieben Jahrhunderten. Köln: Önel 1993, 232 S.
    Diese Bücher erinnern nicht nur an die türkische Zeit von Annemarie Schimmel, sondern zeigen eine wiederum doppelte Ausrichtung in ihrem Denken: Die Liebe zur Mystik, aber auch das akribische Nachforschen in der Sprache, hier nun im Türkischen. Für unseren Zusammenhang wichtig ist jedoch besonders, dass poetische Texte des berühmtesten türkischen Dichters und Mystikers des Mittelalters, Yunus Emre, hier leicht zugänglich sind.