Donnerstag, 29. September 2016

West-östlicher Divan in Iserlohn - seit 1991


Themen und Treffen seit 2007

Themen und Treffen 2007 in der Kapelle der Evangelischen Akademie Iserlohn
– jeweils an einem Mittwoch um 17.00 Uhr – ca. 19.00 Uhr

8. Februar 2007              Baustelle Kulturbrücke 101 (Gemeindesaal der Johanneskirchengemeinde)
Liebe weckt Liebe (Elisabeth von Thüringen)                                     
26. April 2007                  Baustelle Kulturbrücke 102:
Wach auf mein Herz (Paul Gerhardt)
                                          
24. Mai 2007                    Baustelle Kulturbrücke 103:
Die Wahrheit ist der Weg
       
13. September 2007      Baustelle Kulturbrücke 104: 
Jeder Tag ist wie ein neues Leben
                                        
6. Dezember 2007          Baustelle Kulturbrücke 105: Der Gottheit fließendes Licht
                                         

Themen und Treffen seit 2008
im Gemeindehaus der
Ev. Erlöserkirchengemeinde Iserlohn
– jeweils an einem Mittwoch um 17.00 Uhr – ca. 19.00 Uhr

11. Juni 2008                 Baustelle Kulturbrücke 106:
 
Schleift Gier und Hass aus eurem Herzen
                                         
17. September 2008       Baustelle Kulturbrücke 107: … die eigene Perle finden                                        
10. Dezember 2008        Baustelle Kulturbrücke 108:
  … Anstöße zur Menschwerdung
                                       

18. März 2009             Baustelle Kulturbrücke 109:
Wir sind mehr als unsere Sorgen
                                          
24. Juni 2009                   Baustelle Kulturbrücke 110: Mensch, wo bist du?                                        
16. September 2009      Baustelle Kulturbrücke 111:  Gott will mit uns die Erde verwandeln                                         
25. November 2009        Baustelle Kulturbrücke 112:
                                              Achsenzeit – Impuls für Menschlichkeit
                                          
10. März 2010             Baustelle Kulturbrücke 113: Frühling der Seele – erfasten                                         
23. Juni 2010                   Baustelle Kulturbrücke 114: Wandel durch Begegnung                                       
08. September 2010      Baustelle Kulturbrücke 115: Zeit vergeht nicht – Zeit entsteht
                                         
04. Oktober 2010            Baustelle Kulturbrücke – außerhalb der Reihe            
                                           Kirchen entdecken – in der Begegnung von Christen und Muslimen                                         
24. November 2010       Baustelle Kulturbrücke 116: LICHTwärts
13. April 2011                  Baustelle Kulturbrücke 117: Wisse die Wege                                         
29. Juni 2011                   Baustelle Kulturbrücke 118: Strukturen des Lebens                                        
14. September 2011      Baustelle Kulturbrücke 119: Wer dankt, denkt!          
23. November 2011        Baustelle Kulturbrücke 120: Lichtstrahlen in der Winterzeit
                                      
25. April 2012           Baustelle Kulturbrücke 121: Pilgern zum Leben                                 


27. Juni 2012                  Baustelle Kulturbrücke 122: Ich bin ein Tropfen, Gott ist der Ozean 
27. September 2012      Baustelle Kulturbrücke 123: Mein roter Faden 
28. November 2012       Baustelle Kulturbrücke 124: Warten – Wartung – Er-Warten    

16. Januar 2013         West-östlicher Divan - Baustelle Kulturbrücke - außer der Reihe:
                                          Märchen in den Weltreligionen
24. April 2013:                Baustelle Kulturbrücke 125: Soviel du brauchst (mit Ausstellung Eco-City)
26. Juni 2013:                  Baustelle Kulturbrücke 126:  Jahresmitte - Lebensmitte 
25. September 2013       Baustelle Kulturbrücke 127: Das Heute Gottes
18. November 2013        Baustelle Kulturbrücke 128: Wo ist die Kraft des Lebens?

10. April 2014             Baustelle Kulturbrücke 129: Was Gott in Bewegung setzt, zieht seine Kreise
26. Juni 2014                Baustelle Kulturbrücke 130: Nur in der Nacht sieht man die Sterne
25. September              Baustelle Kulturbrücke 131: Zwischen Himmel und Hades
20. November               Baustelle Kulturbrücke 132: AufHELLung

11. März 2015         Baustelle Kulturbrücke 133: LIEBE leben  
27. Mai 2015                Baustelle Kulturbrücke 134: MIT-Gefühl    
14. Oktober 2015        Baustelle Kulturbrücke 135: WOHL wollen!

23. März 2016         Baustelle Kulturbrücke 136: UM - BRÜCHE

28. September 2016     Baustelle Kulturbrücke 137: PRÜFE MEIN HERZ ...


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Mittwoch, 21. September 2016

Jahresberichte aus der Arbeitsstelle (INTR°A)




Im Rahmen der INTR°A-Mitgliederversammlung gibt es einen Jahresüberblick zu den Aktivitäten der Arbeitsstelle. Dieser Bericht umfasst immer den Zeitraum zwischen zwei Jahrestagungen, die normalerweise jeweils im Herbst stattfinden.
Zusammenstellung von Reinhard Kirste.

--- Bericht 2005-2007
--- Bericht 2008-2009
--- Bericht 2009-2010
--- Bericht 2010-2011
--- Bericht 2011-2012 
--- Bericht 2012-2013 
--- Bericht 2013-2014 
--- Bericht 2014-2015
--- Bericht 2015-2016
--- Bericht 2016-2017

Montag, 19. September 2016

Predigt zu 2. Mose 33,18–23: Gott nachsehen



Predigt und Fürbittengebet im Ökumenischen Gottesdienst am 17.09.2016
anlässlich der Tagung
„Faszination und Abschreckung. Die Erfahrung des Heiligen durch Bild und Musik“
in der  Thomas-Morus-Akademie Bensberg

Liebe Freundinnen und Freunde des Dialogs und eben auch: Liebe Gemeinde !
Zu unserem Tagungsthema „Faszination und Abschreckung. Religiöse Erfahrungen mit Bild und Musik“ ist mir die Geschichte des Volkes Israel vor dem Berg Sinai ins Gedächtnis gekommen: Dort in der Wüste soll das Volk die 10 Gebote bekommen, eine menschenwürdige Orientierung für das gesamte Leben. Mose ist auf den Gottesberg gestiegen, um die Gesetzestafeln zu holen. Weil der große Meister aber so lange nicht kommt, baut sich das ungeduldige Volk ein Götterbild. Die biblischen Verfasser nennen es abschätzig „Goldenes Kalb“. In Wahrheit ist es wohl ein Stierbild gewesen, das als Thron für Gott gedacht war. Das erinnert in manchem durchaus an den Hindu-Gott Shiva, der oft mit dem Stier Nandin als seinem Reittier dargestellt wird.
Die hier im 2. Mosebuch erzählte dramatische Geschichte betrifft ein durchaus aktuelles Problem. Menschen machen sich zu allen Zeiten Bilder von Gott. Darf man das wirklich so machen, wie Michelangelo den Schöpfergott auf wundervolle Weise in der Sixtinischen Kapelle gemalt hat? Der sog. Islamische Staat hat ja vor kurzem erst viele Jahrtausende alte Götterbilder im Mittleren Osten brutal gesprengt und zerschlagen – ein unendlicher Kulturverlust ! Selbst der Prophet Mohammed hat die 360 Statuen der Göttinnen, die im Hof der Kaaba standen hinausgeworfen. In der Reformation fingen Andreas Karlstadt und seine Freunde an, die Heiligenbilder in den Wittenberger Kirchen zu zerstören. Erst Luther gebot Einhalt. Die Bilderstürmer der Französischen Revolution zerbrachen unendlich viele Skulpturen an den alten Kirchen, so dass man heute manche leere Sockel sieht.
Bilder des Göttlichen üben offensichtlich eine große Faszination aus. Sie sind jedoch zugleich eine Gefahr, mit der jede Religion zu tun hat.
Der spirituelle Stratege Mose scheint etwas für alle Menschen Typisches zu symbolisieren. Menschen möchten dem Göttlichen, dem Heiligen, dem Transzendenten nahe kommen. Sie tun es mit Bildern und Skulpturen, mit Musik und oft ekstatischen Ritualen.
Selbst Mose ist mit seinen bisherigen Gotteserfahrungen nicht zufrieden, obwohl Gott mit ihm wie mit einem Freund redet (Ex 33,11). Mose will von Gott mehr Sicherheit:
Darum sagt er dort oben auf dem Sinai:
"Lass mich doch deine herrliche Schönheit, deine schöne Herrlichkeit sehen. Gott aber antwortete: ‚Ich selbst werde meine ganze Güte und Barmherzigkeit an dir vorüberziehen lassen und den göttlichen Namen ausrufen, der heißt nämlich: Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig und wessen ich mich erbarme, dessen erbarme ich mich. Mein Angesicht kannst du nämlich unmöglich sehen, denn kein Mensch kann am Leben bleiben, der mich sieht. Weiter sagte Gott: Neben mir jedoch ist Platz, stell dich da in den Felsspalt. Solange meine Herrlichkeit vorüberzieht will ich meine Hand über dich halten. Dann werde ich meine Hand wegnehmen, und du kannst mir hinterhersehen. Und noch einmal: Mein Angesicht wird nicht zu sehen sein" (Ex 33, 18–23).
Wenn man dies genau liest, heißt das doch: Während der Heilige vorübergeht, steht Mose völlig im Dunkeln. Und wenn Gott gegangen ist, hat er das Nachsehen in des Wortes doppelter Bedeutung. Immerhin: Er kann im Nachsehen das Heilige ahnen …
Und das Wichtigste dabei ist: Diese schöne Herrlichkeit wirkt sich in Güte und Barmherzigkeit aus, und zwar menschlich. Das kommt in der Festschrift zum 70. Geburtstag für die berühmte Islamwissenschaftlerin Annemarie Schimmel (1922–2003) zum Ausdruck: Gott ist schön, und er liebt die Schönheit (Bern u.a.: P. Lang 1994). Auch Navid Kermani hat darauf hingewiesen, und zwar in seinem Buch: Gott ist schön. Das ästhetische Erleben des Koran (München: C.H. Beck 1999) hingewiesen.
Was sagt uns dies heute?
Im Blick auf das Göttliche kann der Mensch nicht die Spielregeln bestimmen. Es geht nicht mit Palette, Farbe und Pinsel, damit Gott abgemalt werden kann. Wo Gott vorübergeht, steht der Mensch erst einmal im Dunkeln, ihm fehlt der Durchblick – und doch gibt es eine erstaunliche Ein-Sicht: Wenn – nun auch im Bilde gesprochen – die göttliche Hand die eigenen Vorstellungen verdunkelt, bleibt der Mensch vor problematischen Gottesbildern bewahrt:

  • Vor dem lieben Gott des Kinderglaubens,
  • vor dem Gott, der alles in der Welt organisiert,
  • vor dem Richter mit den strengen Augen, der drohend nach dem Rechten sieht.

Der Gott, dem man nachsieht, ist mehr als man sich ausmalen und bildlich vorstellen kann.
Dieser Gott ist keine statische Figur, er ist in Bewegung, er zieht vorüber, also zieht er auch voraus und voran. Das ist die entscheidende Möglichkeit vom Nachsehen zum Nachgehen.
Ich fühle mich an  ein Jesuswort im Johannesevangelium (14,9) erinnert: „Wer mich sieht, der sieht den Vater“. Im Zusammenhang der dortigen Jesusrede wird klar: Göttliche Nähe erkennt man an seinem liebenden Tun, nämlich den Menschen Heilung und Befreiung zu bringen.
Anders gesagt. Der Mensch Jesus von Nazareth wird zum Zeichen dafür, dass Gott in liebevoller Menschlichkeit erkannt werden will. So wird aus dem Versuch, Gott nachzusehen die Aufforderung dem vorausgehenden Gott  nicht nur nachzuschauen, sondern nachzufolgen.

  1.  Das heißt: Man muss sich voran bewegen – nicht zurück!
  2. Halten wir fest: Gott bewegt als Barmherziger und gütigen Handelnder. Auf diese Weise machen menschenwürdiges Mitgefühl und helfendes Tun für andere alle Gottes-Bilder überflüssig.
  3. Zugespitzt gesagt: Von Gott kann man eigentlich nur reden,
    indem man der Aufforderung Jesu folgt, für den anderen der Nächste zu werden. Diese Aufforderung kommt am deutlichsten im Gleichnis vom barmherzigen Samariter und seinem helfenden Handeln zum Ausdruck. Dort sagt der Mann aus Nazareth zu dem Pharisäer:
    Gehe hin und tue desgleichen. Amen.
FÜRBITTEN
Vorausgehender Gott,
du hast deine Welt wunderbar geschaffen,
Bilder unendlicher Schönheit und Harmonie.
Die Werke deiner Hände singen von deiner Liebe,
die wir heute dringend brauchen,
damit die Vergessenen ans Licht geholt werden,
damit die Kleinen nicht unter die Räder kommen.
Herr erbarme dich !
Die Werke deiner Hände sind geprägt von den Farben deiner Fantasie.
Bei uns aber herrscht nicht selten düsteres Grau.
Deine Fantasie will in uns wirksam werden,
damit nicht die Reichen immer reicher
und die Armen immer ärmer werden.
Wir brauchen dringend deine liebende Sicht auf die Welt.
Herr erbarme dich !
Die Werke deiner Hände zeichnen Konturen der Hoffnung,
die menschenwürdig ausgemalt werden wollen – durch uns.
Wir wollen nicht müde werden beim Engagement für den Frieden,
wir wollen nicht zusehen sondern zugreifen, um Heimatlosen eine Heimat zu geben.
Wir wollen uns nicht einschüchtern lassen von Parolen der Zwietracht.
Wir hoffen auf dein Erbarmen und deine Gnade. Herr, erbarme dich !
Wir können oft schwer in Worte fassen, was uns bewegt,
wir können oft nicht richtig aufzeichnen, was getan werden muss,
darum beten wir:
Vaterunser im Himmel …
Reinhard Kirste
Relpäd/2. Mose 33,18-23-aktuell, 19.09.2016