Montag, 9. Oktober 2017

Ethische Konvergenzen von vier Weltreligionen an zwei Beispielen

Mit der folgenden Parallelsetzung und den daraus angeleiteten Querverbindungen (Korrelationen) möchte ich nicht zum Ausdruck bringen, dass alle „Religionsstifter“ „irgendwie“ dasselbe wollten, auch nicht, dass alle großen Religionen genau dieselbe Ethik haben, ich möchte vielmehr aufzeigen, dass trotz unterschiedlicher Entstehungszeit der einzelnen Religionen, trotz gänzlich unterschiedlicher kultureller Hintergründe ein gemeinsamer Grund im Bereich der Sinn- und Wertefragen entdeckt werden kann. 

1. Die Parallelsetzung
Dieses Gemeinsame verbindet offensichtlich Menschen unterschiedlichen Glaubens in einer nicht im einzelnen auszulotenden spirituellen Tiefe miteinander, selbst dann, wenn es keine historischen Abhängigkeiten gibt. 
  • Judentum:  Moses, Begegnung mit Gottes Weisung
     – der Gesetzeslehrer und die 10 Gebote
  • Christentum: Jesus, das  Mensch gewordene Wort Gittes,der Christus mit der Bergpredigt und den  neun Seligpreisungen
  • Buddhismus: Siddharta Gautama, der Buddha, der Erwachte
    mit der Erkenntnis der 4 edlen Wahrheiten und des 8fachen Pfades
  • Islam: Der Prophet Mohammed, das Siegel der Propheten,
    geoffenbarte Lebensregeln in den 5 Pfeilern.


Aus diesem Parallelisierungsversuch lassen sich die  Konvergenzen leichter erkennen, sozusagen Querverbindungen, die sich durch die Religionen hindurchziehen, um zumindest einen größeren gemeinsamen Kontext zu entdecken: Ethische Grundorientierung lässt sich in verschiedenen Beziehungsfeldern ausdrücken (individuell, gemeinschaftlich, historisch, symbolisch, spirituell). Eine sachlich begründete Verwandtschaft gerät zu den auffälligsten Kennzeichen der Gemeinsamkeit verschiedener Religionen, so dass sogar eine Vertauschung der ethischen Grundttexte möglich wäre, ohne dass sofort bemerkt würde, dass ethische Orientierung über die Vorschriften einer anderen Religion geleistet wurde.
Die Art solcher Wahrnehmung von Konvergenzen geschieht dann etwa in folgender Weise:
  1. Buddha: Vier edle Wahrheiten und der achtfache Pfad. Diese lassen sich jedoch anders formuliert auch bei Mose, Jesus und Mohammed finden lassen.
  2. Mose: Zehn Gebote: Diese lassen sich natürlich auch aus den anderen Religionen herauslesen, wenn auch nicht unbedingt als numerisch 10 Gebote. Die „Goldene Regel“ bietet hier den Minimalkonsens (s.u.).
  3. Jesus: Neun Seligpreisungen, die auch im Koran (im Sinne des Islam als Religion des Friedens stehen könnten, den buddhistischen Lehrreden ähnlich sind und natürlich ganz jüdisch gesehen werden müssen, weil Jesus Jude war.
  4. Mohammed: Fünf Pfeiler des Islam, die sich auch bei Buddha, Mose und Jesus unter kulturell anderen Vorzeichen entdecken lassen und das Leben der Glaubenden im Alltag regeln.
2. Die Querverbindungen (Korrelationen)

Reinhard Kirste:  Interreligiöser Dialog  und religiöser Pluralismus in Deutschland.
In: Reinhard Kirste / Michael Klöcker / Paul Schwarzenau / Udo Tworuschka (Hg.):
VISION 2001. Die größere Ökumene.Interreligiöse Horizonte (IH), Bd. 1.
Köln u.a.: Böhlau 1999, S. 142-143
CC