Montag, 23. Oktober 2017

José María Vigil: Religiöser Pluralismus, Christentum im Umbruch und Option für die Armen (aktualisiert)

1.  Religiöser Pluralismus
nicht nur in Lateinamerika


Der in Panama lebende Theologe und Claretinerpater
José María Vigil  konstatiert erhebliche Veränderungen im Christentum, eine Metamorphose, deren Ende noch nicht abzusehen ist: 
La metamórfosis del cristianismo
(ATRIO, 14.04.2014)

Vigil gehört zu den Reformtheologen, die Konsequenzen aus der Multireligiosität der Welt und den gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten ziehen. Bereits  2005 hatte er mit diesem Buch erhebliches Aufsehen und erregt und eine intensive Diskussion in Gang gesetzt:
 Teología del pluralismo religioso
(Quito/ Ecuador: Abyayala 2005)

--- Download der vollständigen spanischen Ausgabe als PDF-Datei:
    Portal ATRIO



Deutschsprachige vollständige Ausgabe: Theologie des religiösen Pluralismus.
Eine lateinamerikanische Perspektive
.


Durch dieses Veröffentlichung kann nun auch dem deutschsprachigen Leserpublikum der innere Zusammenhang von religionspluralistischer Theologie und lateinamerikanischer Befreiungstheologie deutlicher gemacht werden können.

J.M. Vigil setzt konsequent theologisch auf die Option für die Armen, wie sie die “Theologie der Befreiung” betont. Er verbindet dies mit  Ansätze aus den religionspluralistischen Theologien, z.B. von John Hick. Gerade diese Konvergenzen  machen Vigils Buch in dialogischer Weise bisher einzigartig.
Darin kommt u.a. auch die Kooperation mit EATWOT  zum Ausdruck, der Ökumenischen Assoziation der Dritte Welt-Theologen (Ecumenical Association of Third World Theologians).
J.M. Vigil ist der Koordinator deren Theologischer Kommission sowie Mitherausgeber der multilingualen
Internet-Zeitschrift VOICES. Theological Journal of EATWOT



Vgl. auch einzelne Bücher und Beiträge:

2.  Übersetzungen von “Teología del pluralismo religioso”
a)  Die deutschsprachige Ausgabe "Theologie des religiösen Pluralismus.
Eine lateinamerikanische Perspektive. Details, s.o.

b) Schon seit einiger Zeit ist die englische Ausgabe auf dem Markt: 
Theology of Religious Pluralism 
Towards a pluralistic re-reading of Christianity (LIT-Verlag Münster 2008).

Diese Fassung hat einige Änderungen gegenüber dem spanischen Original erfahren. So sind leider zwei Kapitel (wegen mangelnder Übersetzungszuschüsse!) herausgenommen worden
(Vgl. Kommentar zur englischen Ausgabe).
Der amerikanische Theologe Paul Knitter (USA) schrieb im Vorwort: «Vigil’s book is an “unicum.” It provides a broad perspectival review and assessment of various Christian approaches to other religions is not anything new. What is definitely and encouragingly new is that it does so from the perspective of the experience of Latin American Christians, which means in the framework of liberation theology».
Das Nachwort stammt von Andrés Torres Queiruga (Spanien), der seit Ende März 2012 ebenfalls eine Notifikation der spanischen Bischofskonferenz erhalten und sich seither nicht mehr öffentlich äußern darf (Bericht im Dialog-Journal vom 15.04.2012).

Weitere Übersetzungen von "Teología del pluralismo religioso":
— c) Italienische Ausgabe im Verlag Borla, Rom: hier
— d) Portugiesische Ausgabe im Paulus-Verlag, São Paulo: hier

3.  Der größere Zusammenhang von Theologie des religiösen Pluralismus und Theologie der Befreiung
José María Vigil gehört übrigens zu einer größeren Gruppe lateinamerikanischer Theologen, die sich intensiv für eine pluralistische Theologie der Befreiung im Kontext der Option für die Armen einsetzen und kostenlose Zugänge zu wichtigen Büchern und Materialien ermöglichen.
Mehr unter der von J.M. Vigil mitbetreuten Webseite: Servicios Koinonia. Sie enthält die älteste digitale Zeitschrift in Lateinamerika (seit 1993):
RELaT = Revista Electrónica Latinoamericana de Teología
Dieser “Service” betreut auch eine digitale Bibliothek , die auf die Theologie der Befreiung spezialisiert ist und nun auch die Theologie des religiösen Pluralismus mit einbezieht.
Vgl.  dazu auch die Beiträge:  


Die Option für die Armen als Option für Gerechtigkeit:
4.  Die Buchreihe “Along the Many Paths of God”
Mit ihrem Koordinator J.M. Vigil beschloss die lateinamerikanische Kommission von EATWOT (Ecumenical Association of Third World Theologians) bereits auf ihrer Generalversammlung 2001 in Quito (Ecuador), dass sich die Befreiungstheologie und die Theologie des religiösen Pluralismus gegenseitig befruchten sollen (cross-fertilize). Dazu soll eine pluralistische Theologie der Befreiung ausgearbeitet werden. Damit würde eine Theologie des religiösen Pluralismus entstehen, die zugleich Befreiungstheologie wäre.
Das Projekt bezieht mehr als 70 Theologen mit ein, in dessen Rahmen eine Reihe von fünf Büchern herausgebracht wurden. Hier werden diese Überlegungen sorgfältig weiter ausgeführt.
Diese Buchreihe ist in Spanisch, Portugiesisch und Italienisch veröffentlicht worden und kann bei Tiempo Axial eingesehen werden.

Als Printausgabe erschien auch der letzte Band:
Toward A Planetary Theology. Along the Many Paths of God.
Montreal, Kanada: Dunamis Publishers 2010, 197 S.

Hier plädieren international bekannte Theologen für eine Grenzen überschreitende Theologie.
— Als PDF-Download hier —
— Rezension hier —


Montag, 9. Oktober 2017

Ethische Konvergenzen von vier Weltreligionen an zwei Beispielen

Mit der folgenden Parallelsetzung und den daraus angeleiteten Querverbindungen (Korrelationen) möchte ich nicht zum Ausdruck bringen, dass alle „Religionsstifter“ „irgendwie“ dasselbe wollten, auch nicht, dass alle großen Religionen genau dieselbe Ethik haben, ich möchte vielmehr aufzeigen, dass trotz unterschiedlicher Entstehungszeit der einzelnen Religionen, trotz gänzlich unterschiedlicher kultureller Hintergründe ein gemeinsamer Grund im Bereich der Sinn- und Wertefragen entdeckt werden kann. 

1. Die Parallelsetzung
Dieses Gemeinsame verbindet offensichtlich Menschen unterschiedlichen Glaubens in einer nicht im einzelnen auszulotenden spirituellen Tiefe miteinander, selbst dann, wenn es keine historischen Abhängigkeiten gibt. 
  • Judentum:  Moses, Begegnung mit Gottes Weisung
     – der Gesetzeslehrer und die 10 Gebote
  • Christentum: Jesus, das  Mensch gewordene Wort Gittes,der Christus mit der Bergpredigt und den  neun Seligpreisungen
  • Buddhismus: Siddharta Gautama, der Buddha, der Erwachte
    mit der Erkenntnis der 4 edlen Wahrheiten und des 8fachen Pfades
  • Islam: Der Prophet Mohammed, das Siegel der Propheten,
    geoffenbarte Lebensregeln in den 5 Pfeilern.


Aus diesem Parallelisierungsversuch lassen sich die  Konvergenzen leichter erkennen, sozusagen Querverbindungen, die sich durch die Religionen hindurchziehen, um zumindest einen größeren gemeinsamen Kontext zu entdecken: Ethische Grundorientierung lässt sich in verschiedenen Beziehungsfeldern ausdrücken (individuell, gemeinschaftlich, historisch, symbolisch, spirituell). Eine sachlich begründete Verwandtschaft gerät zu den auffälligsten Kennzeichen der Gemeinsamkeit verschiedener Religionen, so dass sogar eine Vertauschung der ethischen Grundttexte möglich wäre, ohne dass sofort bemerkt würde, dass ethische Orientierung über die Vorschriften einer anderen Religion geleistet wurde.
Die Art solcher Wahrnehmung von Konvergenzen geschieht dann etwa in folgender Weise:
  1. Buddha: Vier edle Wahrheiten und der achtfache Pfad. Diese lassen sich jedoch anders formuliert auch bei Mose, Jesus und Mohammed finden lassen.
  2. Mose: Zehn Gebote: Diese lassen sich natürlich auch aus den anderen Religionen herauslesen, wenn auch nicht unbedingt als numerisch 10 Gebote. Die „Goldene Regel“ bietet hier den Minimalkonsens (s.u.).
  3. Jesus: Neun Seligpreisungen, die auch im Koran (im Sinne des Islam als Religion des Friedens stehen könnten, den buddhistischen Lehrreden ähnlich sind und natürlich ganz jüdisch gesehen werden müssen, weil Jesus Jude war.
  4. Mohammed: Fünf Pfeiler des Islam, die sich auch bei Buddha, Mose und Jesus unter kulturell anderen Vorzeichen entdecken lassen und das Leben der Glaubenden im Alltag regeln.
2. Die Querverbindungen (Korrelationen)

Reinhard Kirste:  Interreligiöser Dialog  und religiöser Pluralismus in Deutschland.
In: Reinhard Kirste / Michael Klöcker / Paul Schwarzenau / Udo Tworuschka (Hg.):
VISION 2001. Die größere Ökumene.Interreligiöse Horizonte (IH), Bd. 1.
Köln u.a.: Böhlau 1999, S. 142-143
CC

Jahresberichte aus der Arbeitsstelle (INTR°A)




Im Rahmen der INTR°A-Mitgliederversammlung gibt es einen Jahresüberblick zu den Aktivitäten der Arbeitsstelle. Dieser Bericht umfasst immer den Zeitraum zwischen zwei Jahrestagungen, die normalerweise jeweils im Herbst stattfinden.
Zusammenstellung von Reinhard Kirste.

--- Bericht 2005-2007
--- Bericht 2008-2009
--- Bericht 2009-2010
--- Bericht 2010-2011
--- Bericht 2011-2012 
--- Bericht 2012-2013 
--- Bericht 2013-2014 
--- Bericht 2014-2015
--- Bericht 2015-2016
--- Bericht 2016-2017